Das Kompetenzzentrum Speicherung zieht nach einem Jahr Bilanz

Am vergangenen 4. November fand am Paul Scherrer Institut das erste Jahressymposium des Kompetenzzentrum des Bundes für Forschung zu Strom- und Wärmepeicherung (SCCER Heat and Electricity Storage) statt. Vertreter aus den beteiligten Forschungsgruppen sowie aus Industrieunternehmen mit einem Bezug zum Thema Speicherung berichteten in ihren Vorträgen über die jüngsten Fortschritte auf dem Gebiet der Wärme- und Stromspeicherung in der Schweiz. Die Tagung zeigte die Intensität der Transformationen, die von der Energiestrategie 2050 in Gang gesetzt worden sind. „Obwohl die Arbeit im SCCER Speicherung erst auf ein knappes Jahr zurückblicken kann, stimmen die bereits gewonnen Erkenntnisse optimistisch“, sagte Thomas Justus Schmidt, Leiter des Labors für Elektrochemie am PSI und Leiter des SCCER Speicherung. Viele Ideen, Forschungsprojekte und Demonstrationsanlagen werden zudem in den kommenden Jahren entwickelt und aufgebaut werden. Das SCEER Speicherung setzt sich aus fünf virtuellen Kompetenzteams mit den Schwerpunkten (Batteriespeicher, Wärmespeicher, Wasserstoff, Synthetische Brennstoffe und Integration der Speichersysteme) zusammen. Im Folgenden wird eine Zusammenfassung der nach den fünf Themen gegliederten Referate gegeben.

Batteriematerialien für die Zukunft

Die bisher bei den Batteriematerialien erzielten Fortschritte dieses Kompetenzteams, bestehend aus den Gruppen von Katharina Fromm (Universität Freiburg) sowie Petr Novák und Claire Villevieille vom Paul Scherrer Institut (PSI) präsentierte Maksym Kovalenko von ETH Zürich und Empa. Dieses Thema wird zusammen mit den Gruppen von Katharina Fromm (Universität Freiburg) sowiePetr Novák und Claire Villevieille vom Paul Scherrer Institut (PSI) bearbeitet. In einer Batterie wie etwa der Lithiumionen-Batterie möchte man Elektrodenmaterialien einsetzen, die möglichst der jeweiligen Ionen reversibel speichern können, erläuterte Kovalenko. Das heisst, dass man beispielsweise Lithiumionen beim Laden leicht in die Elektrode einlagern und beim Entladen wieder leicht entnehmen kann. Zudem sollen möglichst viele Lade-Entladezyklen ohne wesentliche Verschlechterung der Speicherkapazität möglich sein. Kovalenko skizzierte die Ziele der Arbeiten in seinem Arbeitspaket: Man möchte das zurzeit am häufigsten eingesetzte Anodenmaterial, Graphit, durch Alternativmaterialien ersetzen, die ein mindestens doppelt so grosses Speichervermögen ermöglichen. Einige Materialien weisen sogar ein Zehnfaches des Speichervermögens von Graphit auf. Langfristig stehe auch die Suche nach besseren Kathodenmaterialien auf dem Programm, aber hier zeige sich eine deutlich schwierigere Ausgangslage, wie Kovalenko betonte. Für Natriumionen-Batterien stellt sich die Situation, was die Verfügbarkeit potenziell einsetzbarer Materialien anbelangt, sogar etwas besser dar als für Lithium-basierte Systeme. Laut Kovalenko gibt es für Natriumionen-Batterien viel mehr Materialien, die für den Einsatz in den Elektroden in Frage kämen. Warum Nanomaterialien? Die zum Teil drastische Volumenänderung um das Vier- bis Sechsfache beim Laden und Entladen ist die grösste Herausforderung für künftige Anodenmaterialien in Lithiumionen-Batterien. Die Elektroden erfahren unter diesen Volumenänderungen sehr hohe mechanische Belastungen und können in der Folge zerfallen. Einen Ausweg aus diesem Problem bieten Materialien, die sehr fein -auf der Skala von Nanometern- strukturiert sind. Diese Nanomaterialien sind weitaus poröser als die gewöhnlichen, gröber strukturierten Festkörper, aus denen Elektroden bisher bestehen. Dank ihrer hohen Porosität können Nanomaterialien Ionen aufnehmen, ohne dass sich ihr Volumen zu stark verändert. Zudem lösen Nanomaterialien ein typisches Problem von Kathodenmaterialien: deren teilweise geringe Fähigkeit, Elektronen bzw. Ionen zu leiten. Nanomaterialien können leicht in eine leitfähige Matrix eingebettet werden, die den Transport von Elektronen und Ionen übernimmt. Somit können auch im Prinzip schlecht leitende Materialien in Elektroden eingesetzt werden, wenn sie genügend fein – nämlich als Nanomaterialien – strukturiert sind. Erste Versuche mit Nanomaterialien auf der Basis von Zinn, Germanium und Kobalt erscheinen in diesem Sinne vielversprechend. Die Experimente zeigen, dass sich Testbatterien über mehr Zyklen laden und entladen lassen, wenn die Elektroden nanostrukturiert sind. Zudem zeichnet sich der Trend ab, dass die Zyklenfestigkeit umso höher ist, je kleiner die Partikelgrösse der Nanomaterialien in den Elektroden ist. Neue Chemie nicht ausser Acht lassen In weiteren Arbeiten haben sich die Wissenschaftler mit dem Potenzial des bisher wenig untersuchten Elements Antimon (Sb) als Elektrodenmaterial beschäftigt. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass Antimon sowohl für Lithium- als auch für Natriumionen eine gute Speicherkapazität und Zyklenstabilität bieten könnte. Interessant ist, dass die guten Eigenschaften von Antimon-Nanokristallen weniger stark von der Partikelgrösse abhängig sind, solange sie klein genug sind. Das weckt die Hoffnung, dass ein wirklich kostengünstiges Syntheseverfahren für Antimon-Nanokristalle realisierbar sein könnte. Kovalenko zeigte auch erste, hoffnungsvoll stimmende Ergebnisse von Versuchen mit Bismut als Elektrodenmaterial zum Speichern von Magnesium-Ionen. Er führte dies als Beispiel dafür an, dass man über Lithium- und Natriumionen hinaus an andere chemische Elemente denken sollte als potenziell interessante Batteriematerialien. Diese experimentellen Arbeiten werden ergänzt von Computerberechnungen die Details über die Vorgänge beim Laden und Entladen ans Licht bringen. Zudem entwickeln die Wissenschaftler neue, effizientere Syntheseverfahren zur Herstellung hochleistungsfähiger Elektrodenmaterialien. Kovalenko wies auch auf die Bedeutung von Industriepartnern hin die, jenseits einer finanziellen Beteiligung, das Testen von Kandidatenmaterialien ermöglichen. So lässt sich schliesslich herausfinden, welche dieser Materialien wirklich Potenzial für Anwendungen aufweisen. Gemeinsam mit einem Industriepartner ist im laufenden Jahr bereits ein Patent angemeldet worden. Ein tieferes Verständnis und die Weiterentwicklung von Natriumbatterien sind die Ziele der Gruppe von Claire Villevieille am PSI. Die Gruppe ist unter anderem auf der Suche nach Materialien, die in Natriumionen-Batterien eingesetzt werden können. In einer Batterie sind neben den Elektroden etwa auch immer Binder notwendig, die die Komponenten der Elektrode zusammenhalten. Typischerweise für Lithiumionen-Batterien verwendete Binder sind für Natriumionen-Batterien nicht immer geeignet. Arbeiten am PSI haben zum Beispiel gezeigt, dass das Additiv Fluorethylenkarbonat (FEC), in den Elektroden von Natriumionen-Batterien eingesetzt, deren Stabilität erhöhen. Die Wissenschaftler haben auch einen Mechanismus identifiziert, durch den FEC eine Schutzschicht auf der Elektrode bildet und diese so vor chemischem Alterung bewahrt. Die Perspektive eines Schweizer Batterieherstellers Pascal Häring von Renata Batteriesbegann sein Referat mit Beispielen, die zeigen, dass Erwartungen und Umsetzung in der Batterie-Industrie mitunter weit auseinander liegen können. Er wies auf die vielen komplexen Anforderungen und regulatorischen Vorgaben hin, in denen sich Ingenieure in dieser Industrie bewegen. Bis zur Entwicklung eines marktfähigen Produktes müsse ein Batteriehersteller viel Zeit und Geld investieren, wobei die Zeit bis zum Markteintritt am äusserst dynamischen Batteriemarkt bisweilen wichtiger sei als der finanzielle Aufwand. Häring gab einen Überblick über die Geschichte und Entwicklungen von Renata Batteries und kündigte bald auf den Markt kommende Produkte an. Er meldete auch, dass ab kommendem Jahr alle Batterien von Renata Batteries über die gesamte Herstellungskette frei vom giftigen Metall Quecksilber sein werden. Neben dem traditionellen Uhrenmarkt beginne Renata Batteries zurzeit Entwicklungen für den Medizintechnik-Markt. Zum Abschluss seines Vortrags betonte Häring, dass auch ein Batteriehersteller wie Renata in bestimmten Phasen der Produktentwicklung auf Infrastruktur und Know-how von Forschungseinrichtungen sowie auf die Kreativität von Wissenschaftlern angewiesen sind, um grundlegende Probleme zu lösen.

Wärmespeicher im Trend der Hybridisierung

Andreas Haselbacher von der ETH Zürich stellte den Stand der laufenden Projekte im Themenfeld Wärmespeicherung dar und gab einen Ausblick auf die zum Teil bald anlaufenden Arbeiten. Zum Auftakt seines Vortrags belegte er die dringende Nachfrage nach Wärmespeicherlösungen in der Schweiz mit statistischen Zahlen. Gemäss Statistiken vom Bundesamt für Energie (BFE) ist die Nachfrage nach Wärme auf einem Temperaturniveau bis 100°C zur Raumheizung und Wassererwärmung für Wohngebäude, Industrie und Dienstleistungen in der Schweiz gross. Das meiste davon wird derzeit mit fossilen Brennstoffen abgedeckt. Daten der EU zeigen, dass für einige Industriesektoren Wärme auf einem Temperaturniveau grösser 400°C stark gefragt ist. Hierzu gibt es aber keine öffentlich zugänglichen Daten für die Schweiz. Auf dem Gebiet der Wärmespeicherung arbeiten Forschungsgruppen der ETHZ, EPFL, SUPSI, FHNW und der Hochschule Rapperswil zusammen. Ein Projekt befasst sich mit einem Speichersystem, in dem die Speicherung von sensibler und latenter Wärmespeicherung (basierend auf Phasenumwandlung) kombiniert werden. Dies ist wichtig im Hinblick auf die wachsende Nachfrage –etwa aus der Chemieindustrie – nach Wärmespeichern, die thermische Energie mit einer konstanten Temperatur bereitstellen. Die Kombination von sensibler und latenter Wärmespeicherung bietet den Vorteil, innerhalb des Temperaturbereichs des Phasenübergangs des eingesetzten Materials eine konstante Temperatur zu liefern bei tieferen Kosten im Vergleich zu einem reinen Latentwärmespeicher der eine weniger günstige Entladecharakteristik zeigt. Haselbacher erläuterte erste Ergebnisse von Laborversuchen, die zeigen, unter welchen Bedingungen ein solcher kombinierter Speicher tatsächlich Kostenvorteile ergeben könnte. Ferner geht es bei diesem Projekt darum zu untersuchen, wie die Korrosion der eingekapselten Materialien des Latentwärmespeichers die Zyklenstabilität des Speichers beeinflusst. Ein weiteres Projekt unter der Leitung der SUPSI befasst sich mit der rechnergestützten Simulation des thermomechanischen Verhaltens von Wärmespeichern sowie mit dem Entwurf und Rapid Prototyping (3D Druck) von regelmässigen und unregelmässigen Gitterstrukturen, die als Gerüst für Hochtemperatur-Wärmespeicher eingesetzt werden können. An der Hochschule Rapperswil wird in einem dritten Projekt an einem saisonalen Wärmespeicher auf der Basis von Salzlaugen gearbeitet. Ziel ist es, ein System mit einer möglichst hohen volumetrischen Energiedichte und minimalen Wärmeverlusten zu entwickeln. Bisher haben die Ingenieure und Wissenschaftler eine Kombination von Natriumhydroxid und Wasser getestet. Um den Wärmespeicher zu laden wird die verdünnte Lauge mit (Solarer-) Wärme erhitzt, sodass Wasser verdampft und die Lauge aufkonzentriert wird. Der entstehende Wasserdampf kann wieder kondensiert werden um die dabei anfallende Wärme beispielsweise im Boden zu speichern. Beim Entladen kann die zuvor im Boden gespeicherte Wärme entnommen werden um wiederum Wasser zu verdampfen, dass in die nun stark konzentrierten Lauge eingeleitet wird. Die Lauge wird dadurch verdünnt und dabei Wärme freigesetzt, die dann zu Heizzwecken zur Verfügung steht. Zum Schluss kündigte Haselbacher die Bearbeitung eines Projektes im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms 70 (Energiewende) an. Dieses Projekt wird Gruppenübergreifend von einigen Mitgliedern des Kompetenzteams „Wärmespeichung“ mit Partnern aus dem Kompetenzteams „Integration“ bearbeitet. Das Ziel ist es, einen effizienten Hochtemperatur-Wärmespeicher (mit kombinierter sensibler und latenter Wärmespeicherung) mit einem fortgeschrittenen adiabatischen Luftdruckspeicher zu kombinieren. Das Projekt soll ab Dezember 2014 über 4 Jahre laufen. Das Budget beträgt 1.24 Millionen Franken. Ein Wärmespeicher aus Luft und Steinen Gianluca Ambrosetti von Airlight Energy berichtete von den kostengünstigen Wärmespeichern für Solarwärmekraftwerke, die seine Firma entwickelt und baut. Diese Solarwärmekraftwerke verwenden Luft als Wärmeübertragungsfluid statt der üblichen Thermoöle die mit teuereren geschmolzenen Salzen als Wärmespeichermedium kombiniert werden.
Bei dem alternativen Konzept kann die Wärme der Luft direkt in einem dicht gepackten Steinbett gespeichert werden, das wiederum in einem Betonbehälter untergebracht ist. Kostensenkungen ergeben sich hier nicht nur aus dem Verzicht auf geschmolzene Salze sondern auch daraus, dass Wärmetauscher überflüssig werden. Folglich trägt der Speicher nur 1 bis 2 Prozent zu den Gesamtkosten eines Solarwärmekraftwerkes bei, viel weniger als die 10 bis 15 Prozent, die auf einen Speicher auf der Basis geschmolzener Salze entfallen. Ambrosetti zeigte in seinem Vortrag, mit welchen innovativen Lösungen seine Firma dabei ist, einen zuverlässigen Speicher mit dieser Technologie zu realisieren. Eine erste Pilotanlage wird bereits in Biasca gebaut. Für Anwendungen, die eine konstante Temperatur erfordern, entwickelt Airlight Energy in Kooperation mit der ETH Zürich ein hybrides Speichersystem, das sensible und latente Wärmespeicherung kombiniert. Der Speicher besteht aus einem dicht gepackten Steinhaufen (sensible Wärme) mit einer zusätzlichen Schicht eines Latentwärmespeichers. Im Labor, konnte laut Ambrosetti bereits gezeigt werden, dass es mit diesem Speicher möglich ist über mehrere Stunden die gewünschte Wärme bei konstanter Temperatur zu entnehmen. Bei einem Speicher, der rein auf der Grundlage der sensiblen Wärme basiert, würde das Temperaturniveau während der Entnahme kontinuierlich abfallen.

Wohin mit dem Wasserstoff?

Eine Möglichkeit, Wasserstoff aus Wasser herzustellen, ist durch die katalytische Umwandlung mit Hilfe von Licht oder Elektrizität (Elektrolyse). Diese Umwandlungsprozesse werden in der Gruppe von Kevin Sivula an der EPFL untersucht. Die Gruppe hat bereits einen sehr kostengünstigen Katalysator (Molybdänoxid) identifiziert, der das teure Platinum ersetzen könnte. Ausserdem hat man ein Rolle-zu-Rolle-Verfahren entwickelt, um den Katalysator mit niedrigen Kosten als Dünnfilme herzustellen. Die Gruppe von Hubert Girault arbeitet an reversiblen Redox-Flussbatterien auf der Basis von Cer (Ce) und Vanadium (V), in denen Wasserstoff als Energiespeichermedium mit Hilfe eines Katalysators chemisch hergestellt wird. Die Speicherkapazität des Systems ist durch die Grösse der Tanks gegeben, in denen Cer- und Vanandiumlösungen gespeichert werden. Die Batterie wird elektrochemisch in einem ersten Ce-V-Kreislauf aufgeladen. Wasserstoff kann bei Nachfrage in einem zweiten, unabhängigen Kreislauf katalytisch hergestellt werden. Dies ermöglicht dem System, zwei häufig unvereinbare Vorteile zu vereinen: hohe Speicherkapazität (totale Energie) und hohe elektrische Leistung (Energie pro Zeit). Das Konzept soll demnächst in einer Abwasserreinigungsanlage in Martigny als Demonstrationsanlage getestet werden. Die Gruppe von Andreas Züttel an der EPFL hat grundlegende Arbeiten zur Speicherung von Wasserstoff in Metallhydriden (sogenannten Alanaten) durchgeführt. In diesen seit vielen Jahren verwendeten Materialien fungiert Titan als Katalysator, der die Aufnahme und Abgabe des Wasserstoffs ermöglicht. Doch bisher fehlte eine Erklärung für die genaue Funktion von Titan. Das ist nun in der Gruppe von Züttel gelungen. Züttel wies dennoch darauf hin, dass Metallhydride als Wasserstoffspeicher bereits an ihre Grenzen stossen: die Materialien können höchstens rund 25 Gewichtprozent an Wasserstoff speichern. Einen Ausweg könnte sich in der Speicherung von Wasserstoff in niedermolekularen organischen Flüssigkeiten anbahnen. Eine weitere Gruppe an der EPFL (Gabor Laurenczy) befasst sich mit flüssiger Ameisensäure als Wasserstoff-Speichermedium. Wasserstoff kann mit Kohlendioxid zu Ameisensäure reagieren, dazu braucht es aber die Hilfe eines geeigneten Katalysators. Einige Kandidaten für diese katalytische Funktion sind bereits identifiziert. Ameisensäure bietet als flüssiges Speichermedium eine Reihe von Vorteilen, darunter eine hohe Energiedichte. Sie ist auch aus Sicht der Sicherheit unbedenklich. Das für dieses Konzept nötige Kohlendioxid kann auch aus vielen Quellen preisgünstig gewonnen werden. Marc Uffer von der Firma Diamond Lite SA berichtete von Fortschritten in der Herstellung kommerziell erhältlicher PEM-Elektrolyseure. Bei diesen Elektrolyseuren wird eine protonenleitende Polymermembran zur Trennung der Gasräume von Wasserstoff und Sauerstoff eingesetzt. Damit unterscheiden sie sich von den alkalischen Elektrolyseuren die eine geringere Leistungsdichte haben und ein lauge-durchtränktes Asbestgewebe zur Trennung der Gase besitzen. Die amerikanische Firma Proton OnSite, die von Diamond Lite SA in Europa vertreten wird, will im kommenden Jahr PEM-Elektrolyseure auf der Megawatt-Skala in den Markt einführen. Uffer zeigte, wie Verbesserungen an den Katalysatoren, Beschichtungen und an der Membran zu Kostenreduktionen und besserer Leistungsfähigkeit der Systeme von Proton OnSite geführt haben.

Wertvolles CO2

Paul Dyson von der EPFL stellte die Arbeiten zur Katalytischen und elektrokatalytische CO2-Reduktion vor. Dyson betonte die seltenen und zum Teil einmaligen Stärken in Sachen Expertise und Infrastruktur der vier Forschungsgruppen, die den Kern dieses Kompetenzteams bilden. Das Team besteht, zusätzlich zu Dysons eigner Gruppe aus den Arbeitsgruppen von C. Coperét (ETH Zürich), P. Broekmann (Uni Bern) und T.J. Schmidt vom Paul Scherrer Institut (PSI). Er berichtet auch von Kooperationsprojekten mit vielen weiteren Gruppen. Zwei Hauptwege, so Dyson, bieten sich an, um aus CO2 Treib- und Brennstoffe sowie wertvolle Chemikalien herzustellen. Diese beiden Routen, die elektrokatalytische Umwandlung und die Hydrogenierung, können eingesetzt werden, um Methanol, Methan oder andere Kohlenwasserstoffe zu produzieren. In diesem Team werden Verfahren entwickelt, um die Vorgänge bei der (elektrokatalytischen) Synthese besser zu verstehen und damit die Grundlage für die Entwicklung selektiver, preiswerter und effiziente Katalysatoren zu schaffen. Dyson gab einen kurzen Überblick über die Massnahmen zum Aufbau von Kompetenzen in diesem Team. Dazu zählen sowohl neue Professuren, sowie die geplante Umstellung der Ausbildung von Chemieingenieuren an der EPFL, die das Thema Energie in den Mittelpunkt rückt. Siemens setzt auf Grundchemikalien Unter dem Motto „CO2 to value“ sucht die Firma Siemens nach Wegen, eine Wertschöpfungskette auf der Basis von Kohlendioxid aufzubauen, berichtete Krause in seinem Vortrag. Dies, weil CO2 als Abfall bei vielen Prozessen anfällt und somit leicht erhältlich ist. Allein im grössten deutschen Kraftwerk werden jährlich rund 26 Millionen Tonnen CO2 ausgestossen. Siemens, so zeigte es Krause in seinem Vortrag, hat sich für die Herstellung gefragter Rohstoff-Chemikalien wie Kohlenmonoxid und Ethylen durch Elektroreduktion von CO2 entschieden. Krause beschrieb die bisherigen Fortschritte auf diesem Weg, die im Fall der Herstellung von CO auf die Verbesserung der Effizienz des Elektrolyseurs abzielen. Für die Herstellung von Ethylen sah Krause noch einen langen Weg, bis man einen geeigneten Katalysator gefunden und entwickelt hat. Krause präsentierte zudem ein zweites laufendes Projekt zur Energiespeicherung in Alkalimetallen. Die Idee hier ist, Lithium in einer CO2 -Atmosphäre zu verbrennen, wodurch man Wärme und Lithiumkarbonat erhält. Das Lithiumkarbonat kann man dann durch Elektrolyse wiederum in metallisches Lithium zurückverwandeln, womit man einen geschlossenen Kreislauf erhält. Alternativ könnte man das Lithium in Stickstoffgas verbrennen, wobei neben Wärme durch ein nachgelagerte Reaktionen Ammoniak als wertvolles Produkt entsteht. Auch hier kann ein geschlossener Lithiumkreislauf durch die Prozesskette gebildet werden.

Speichersysteme im Wechselspiel, die Integration

Jörg Worlitschek von der Hochschule Luzern präsentierte die Beiträge dieses Kompetenzteams, in dem es um Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Speicherkomponenten in einem integrierten System geht. Die Arbeit beinhaltet die ökonomische, ökologische und technische Abschätzung der Nachhaltigkeit verschiedener Systeme. Ebenso wichtig ist die Flexibilität und Kompatibilität der Systeme miteinander, denn es ist davon auszugehen, dass in Zukunft eine Integration von Strom-, Gas- und Wärmenetzen die optimale Lösung bieten sollte. Diesbezüglich betonte Worlitschek, dass sowohl der Bedarf an, als auch Kombinationen von Speichersystemen für verschiedene Anwendungen in der Schweiz noch kaum untersucht sind. Hier setzt das Kompetenzteam an. Erste Ökobilanzanalysen von Speichersystemen laufen bereits. Als Voraussetzung wies Worlitschek zum Beispiel darauf hin, dass ein Speichersystem nur dann ökonomisch sinnvoll ist, wenn der Wirkungsgrad des gesamten Speicherzyklus grösser als das Verhältnis von Tiefst- zu Höchstpreis für die Energie beim Laden bzw. Entladen des Speichers. Dies setzt eine Untergrenze für die energetische Effizienz, die jedes Speichersystem oder jede Kombination von Systemen erreichen sollte. Worlitschek berichtete zudem von Kooperationen zwischen des Kompetenzteams „Integration“ und anderen Arbeitspaketen im SCCER Speicherung sowie mit anderen SCCER. Marcel Rindlisbacher vom Energieversorger der Stadt Solothurn, Regio Energie, referierte über das Hybridwerk Aarmatt, mit dem das Unternehmen eine Power-to-Gas-Anlage zur Verbindung von Strom-, Gas- und Fernwärmenetz realisiert. Rindlisbacher zeigte, wie das vom Bundesamt für Energie als Leuchtturmprojekt geförderte Hybridwerk auf der Basis eines Elektrolyseurs funktioniert. Überschussstrom aus der Photovoltaik wird in der Anlage genutzt, um Wasserstoff durch Wasserelektrolyse herzustellen. Der so erzeugte Wasserstoff wird dann direkt ins Gasnetz eingespeist oder in einer späteren Ausbaustufe methanisiert. Rindlisbacher betonte, dass die Investitionen ins Hybridwerk eine langfristig ausgelegt sind und dass die Regio Energie sich damit als zuverlässiger Ansprechpartner zur Zukunftstechnologie Power-to-Gas positionieren will. Er wies aber auch darauf hin, dass das Hybridwerk nicht alle energiewirtschaftlichen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Energiewende löst. Dennoch können man mit dem Hybridwerk wertvolle Impulse setzen und Erfahrungen liefern darüber, was mit modernster Technologie und unternehmerischem Denken bereits heute möglich ist – und wo die Grenzen liegen. Im abschliessenden Referat des Tages berichtete Frank Krysiak von der Universität Basel von den Arbeiten des SCCER CREST (Competence Center for Research on Energy, Society and Transition). Das Kompenzzentrum CREST hat sich die Aufgabe gestellt, die für die Energiewende notwendigen wirtschaftlichen, rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu untersuchen. Dabei spielt auch die Möglichkeit der Energiespeicherung eine Rolle denn durch sie können sich neue Geschäftsmodelle auftun, aber auch eine strategische Rolle beim Aufbau regionaler und „smarten“ Energiesystemen spielen. Neben den elf Vorträgen zeugten die annähernd 40 Poster von den regen Aktivitäten in diesem SCCER von denen sich ca. 140 Teilnehmer an diesem Tag überzeugen konnten.